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Grundlagen

Informationen für Patientinnen und Patienten mit unerfülltem Kinderwunsch

Wenn der Kinderwunsch nicht in Erfüllung geht

Ein unerfüllter Kinderwunsch kann viele Fragen, Unsicherheiten und Sorgen mit sich bringen. Manche Paare suchen schon nach wenigen Monaten Rat, andere erst nach längerer Zeit. Häufig ist der Weg bis zur ersten Vorstellung in einem reproduktionsmedizinischen Zentrum bereits mit vielen Überlegungen, Untersuchungen oder Enttäuschungen verbunden.

Die Mitgliedszentren des Bundesverbandes Reproduktionsmedizinischer Zentren Deutschlands e. V. (BRZ) möchten Sie auf diesem Weg medizinisch fundiert, verantwortungsvoll und persönlich begleiten. Auf diesen Seiten finden Sie grundlegende Informationen zu möglichen Ursachen eines unerfüllten Kinderwunsches, zur diagnostischen Abklärung und zu den ersten Schritten einer Kinderwunschbehandlung.

Diese Informationen können und sollen das persönliche ärztliche Gespräch nicht ersetzen. Jede Kinderwunsch-Situation ist individuell. Welche Untersuchungen und Behandlungsmöglichkeiten sinnvoll sind, hängt immer von Ihrer persönlichen Vorgeschichte, Ihrem Alter, den bisherigen Befunden und Ihren gemeinsamen Wünschen ab.

Warum bleibt ein Kinderwunsch unerfüllt?

Die Gründe für einen unerfüllten Kinderwunsch können sehr unterschiedlich sein. Sie können bei der Frau, beim Mann oder bei beiden Partnern liegen. Nicht selten finden sich mehrere Faktoren gleichzeitig. In manchen Fällen lässt sich trotz sorgfältiger Diagnostik keine eindeutige Ursache feststellen. Man spricht dann von einer ungeklärten oder idiopathischen Fertilitätsstörung.

Viele gesellschaftliche und persönliche Faktoren beeinflussen heute die Familienplanung. Ausbildung, Beruf, Partnerschaft, finanzielle Sicherheit und individuelle Lebensplanung führen häufig dazu, dass der Kinderwunsch erst später verwirklicht werden soll. Gleichzeitig nimmt die natürliche Fruchtbarkeit insbesondere bei Frauen mit zunehmendem Alter ab. Auch beim Mann können Alter, Erkrankungen, Lebensstilfaktoren oder Umweltfaktoren die Spermienqualität beeinflussen.

Wichtig ist: Ein unerfüllter Kinderwunsch ist kein persönliches Versagen. Er ist eine medizinische Situation, die eine sorgfältige, respektvolle und fachkundige Abklärung verdient.

Wie entsteht eine Schwangerschaft?

Damit eine Schwangerschaft entstehen kann, müssen mehrere biologische Vorgänge gut aufeinander abgestimmt sein.

Bei der Frau reift in der Regel in jedem Zyklus eine Eizelle in einem Eierstock heran. Etwa in der Zyklusmitte kommt es zum Eisprung. Die Eizelle wird vom Eileiter aufgenommen und kann dort für kurze Zeit befruchtet werden. Voraussetzung dafür ist, dass bewegliche und befruchtungsfähige Spermien den Weg durch Gebärmutterhals, Gebärmutter und Eileiter bis zur Eizelle zurücklegen.

Nach der Befruchtung verschmelzen die mütterliche und väterliche Erbinformation. Daraus entsteht ein Embryo, der sich in den folgenden Tagen weiterentwickelt und in Richtung Gebärmutter wandert. Dort kann er sich in die vorbereitete Gebärmutterschleimhaut einnisten.

Dieser Ablauf wird durch ein fein abgestimmtes Zusammenspiel verschiedener Hormone gesteuert. Dazu gehören unter anderem die Hormone der Hirnanhangdrüse sowie die in den Eierstöcken gebildeten Hormone Östrogen und Progesteron. Sie beeinflussen die Eizellreifung, den Eisprung, den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und die frühe Schwangerschaft.

Beim Mann werden Spermien in den Hoden fortlaufend neu gebildet. Auch dieser Prozess wird hormonell gesteuert. Die Spermienbildung kann durch verschiedene Faktoren gestört werden, zum Beispiel durch frühere Entzündungen, Hodenhochstand, Operationen, genetische Ursachen, hormonelle Störungen, Medikamente, Nikotin, Hitzeeinwirkung oder andere Lebensstil- und Umweltfaktoren.

Mögliche Ursachen bei der Frau

Bei der Frau können unter anderem folgende Faktoren eine Schwangerschaft erschweren:

  • hormonelle Störungen mit ausbleibendem oder unregelmäßigem Eisprung

  • Störungen der Eizellreifung

  • eingeschränkte Eileiterfunktion, zum Beispiel nach Entzündungen oder Operationen

  • Endometriose oder Adenomyose

  • Myome, Polypen oder Fehlbildungen der Gebärmutter

  • Störungen des Aufbaus der Gebärmutterschleimhaut

  • ein höheres reproduktives Alter mit abnehmender Eizellreserve

  • wiederholte Fehlgeburten oder wiederholtes Ausbleiben einer Einnistung

Nicht jeder auffällige Befund erklärt automatisch den unerfüllten Kinderwunsch. Deshalb ist eine fachkundige Einordnung der Befunde besonders wichtig.

Mögliche Ursachen beim Mann

Beim Mann steht häufig die Untersuchung der Samenqualität im Mittelpunkt. Dabei werden unter anderem Anzahl, Beweglichkeit und Form der Spermien beurteilt.

Mögliche Ursachen einer eingeschränkten männlichen Fruchtbarkeit sind zum Beispiel:

  • verminderte Spermienzahl

  • eingeschränkte Beweglichkeit der Spermien

  • auffällige Spermienform

  • fehlende Spermien im Ejakulat

  • Verschluss oder Funktionsstörung der Samenwege

  • hormonelle oder genetische Ursachen

  • frühere Entzündungen, Operationen oder Verletzungen

  • Varikozele

  • Einflüsse durch Medikamente, Nikotin, Alkohol, Hitze oder andere Lebensstilfaktoren

Auch bei deutlich eingeschränkter Spermienqualität gibt es heute verschiedene reproduktionsmedizinische Behandlungsmöglichkeiten. Welche Methode geeignet ist, hängt vom individuellen Befund ab.

Wenn mehrere Faktoren zusammenkommen

Häufig lässt sich der unerfüllte Kinderwunsch nicht auf eine einzelne Ursache reduzieren. Es kann sein, dass bei beiden Partnern Befunde vorliegen, die jeweils für sich allein nur leicht ausgeprägt sind, gemeinsam aber die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft deutlich verringern.

Auch das Zusammenspiel von Spermien, Eizelle, Eileiter, Gebärmutterschleimhaut und Embryonalentwicklung kann gestört sein. Dazu gehören zum Beispiel Probleme bei der Befruchtung, eine eingeschränkte Embryonalentwicklung, wiederholte Fehlgeburten oder ein wiederholtes Ausbleiben der Einnistung nach reproduktionsmedizinischen Behandlungen.

Gerade deshalb ist eine strukturierte Diagnostik sinnvoll. Sie hilft, unnötige Behandlungen zu vermeiden und die Therapie möglichst gezielt zu planen.

Der erste Schritt: das persönliche Gespräch

Am Anfang steht ein ausführliches ärztliches Gespräch. Dabei werden die bisherige Kinderwunschdauer, frühere Schwangerschaften, Zyklusverlauf, Vorerkrankungen, Operationen, Medikamente, Lebensstilfaktoren und bereits durchgeführte Untersuchungen besprochen.

Hilfreich ist es, zum ersten Termin vorhandene Unterlagen mitzubringen, zum Beispiel:

  • frühere Hormonbefunde

  • Spermiogramme

  • Operationsberichte

  • Befunde zu Eileitern oder Gebärmutter

  • Berichte über frühere Kinderwunschbehandlungen

  • Laborbefunde

  • Medikamentenpläne

  • Unterlagen zu Fehlgeburten oder früheren Schwangerschaften

Je vollständiger die vorhandenen Informationen sind, desto besser kann die weitere Diagnostik geplant werden.

Zyklusdiagnostik und hormonelle Abklärung

Bei vielen Patientinnen ist eine Untersuchung des Zyklus sinnvoll. Dabei wird überprüft, ob eine Eizellreifung stattfindet, ob es zum Eisprung kommt und ob sich die Gebärmutterschleimhaut regelrecht aufbaut.

Je nach Situation können dazu Ultraschalluntersuchungen und Blutuntersuchungen an verschiedenen Zyklustagen gehören. Häufig werden unter anderem Hormone der Eierstöcke, der Hirnanhangdrüse, der Schilddrüse und gegebenenfalls weitere Stoffwechsel- oder Hormonwerte bestimmt.

Die Ergebnisse helfen dabei, die Eizellreserve einzuschätzen, hormonelle Störungen zu erkennen und zu entscheiden, ob eine Behandlung mit Zyklusunterstützung, hormoneller Stimulation, Insemination, IVF oder ICSI sinnvoll sein kann.

Untersuchung der Gebärmutter und Eileiter

Für eine Schwangerschaft müssen nicht nur Eizelle und Spermien vorhanden sein. Auch Gebärmutter und Eileiter spielen eine wichtige Rolle.

Je nach Vorgeschichte und Befund kann es sinnvoll sein, die Gebärmutterhöhle genauer zu beurteilen. Dafür kommen zum Beispiel Ultraschallverfahren oder eine Gebärmutterspiegelung infrage. Dabei können Veränderungen wie Polypen, Myome, Verwachsungen oder Fehlbildungen erkannt werden.

Auch die Durchgängigkeit der Eileiter kann überprüft werden. Je nach Fragestellung stehen unterschiedliche Verfahren zur Verfügung. In bestimmten Situationen kann eine Bauchspiegelung sinnvoll sein, insbesondere wenn ein Verdacht auf Endometriose, Verwachsungen oder Eileiterschäden besteht. Dabei können manche Befunde gegebenenfalls im gleichen Eingriff behandelt werden.

Welche Untersuchung im Einzelfall geeignet ist, wird individuell entschieden.

Untersuchung beim Mann

Zur Basisdiagnostik gehört in der Regel ein Spermiogramm. Dabei wird eine Samenprobe nach standardisierten Kriterien untersucht. Beurteilt werden insbesondere Spermienzahl, Beweglichkeit, Form und weitere Qualitätsmerkmale.

Da die Spermienqualität schwanken kann, ist manchmal eine zweite Untersuchung sinnvoll. Bei auffälligen Befunden können weitere andrologische, hormonelle, genetische oder urologische Untersuchungen erforderlich sein.

Die männliche Fruchtbarkeit ist ein ebenso wichtiger Teil der Kinderwunschdiagnostik wie die Untersuchung der Frau. Eine frühzeitige Abklärung beider Partner kann helfen, Zeit zu sparen und die Behandlung gezielter zu planen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die geeignete Behandlung richtet sich nach der Ursache des unerfüllten Kinderwunsches, dem Alter, der Dauer des Kinderwunsches, den bisherigen Befunden und den persönlichen Vorstellungen des Paares.

Mögliche Behandlungswege können sein:

  • Zyklusbeobachtung und Beratung zum optimalen Zeitpunkt des Geschlechtsverkehrs

  • hormonelle Unterstützung der Eizellreifung

  • Auslösen des Eisprungs

  • Insemination

  • In-vitro-Fertilisation, kurz IVF

  • Intrazytoplasmatische Spermieninjektion, kurz ICSI

  • Kryokonservierung von Eizellen, Spermien oder befruchteten Eizellen

  • weitere diagnostische oder operative Maßnahmen bei speziellen Befunden

Nicht jede Behandlung ist für jede Situation geeignet. Ziel ist immer, die medizinisch sinnvolle und rechtlich zulässige Methode zu wählen, die zur individuellen Ausgangslage passt.

Behandlung bedeutet auch Belastung

Eine Kinderwunschbehandlung kann körperlich, emotional, organisatorisch und finanziell belastend sein. Termine müssen geplant, Medikamente angewendet, Befunde abgewartet und Entscheidungen getroffen werden. Hinzu kommen Hoffnungen, Enttäuschungen und manchmal auch Unsicherheiten im persönlichen Umfeld.

Die Abläufe in reproduktionsmedizinischen Zentren wirken mitunter sehr strukturiert oder standardisiert. Diese Regelhaftigkeit dient jedoch der Sicherheit, Qualität und Nachvollziehbarkeit der Behandlung. Gleichzeitig bleibt das persönliche Gespräch wichtig: Fragen, Sorgen und individuelle Bedürfnisse sollten jederzeit offen angesprochen werden können.

Unser Anliegen

Die Mitgliedszentren des BRZ stehen für eine qualitätsgesicherte, verantwortungsvolle und patientenorientierte Reproduktionsmedizin. Im Mittelpunkt stehen die Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch, ihre individuelle Situation und das Wohl des erhofften Kindes.

Unser Ziel ist es, Sie verständlich zu informieren, medizinisch sorgfältig zu beraten und Ihnen auf Grundlage der anerkannten und rechtlich zulässigen Methoden Wege aufzuzeigen, wie Ihr Kinderwunsch unterstützt werden kann.

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